Abgeschlossene Projekte

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Weltbilder als Formen kultureller Wissensorganisation

Das Zentrum versteht Kulturwissenschaft auch als Wissenschaft von jenen Leitbegriffen, die nicht in die Domäne einer Spezialdisziplin fallen, sondern bei der Grundlegung von Wissenschaften ausdrücklich oder stillschweigend vorausgesetzt werden, den Wissensaustausch zwischen den Einzelwissenschaften ermöglichen und den Transfer des wissenschaftlichen Wissens in das kulturelle Alltagswissen steuern. Das Projekt orientierte sich an der Vermutung, daß sich der Weltbegriff als ein solcher Leitbegriff erweisen werde. Es setzte damit unter veränderten Fragestellungen das Projekt über die "Ursprünge der Moderne" fort.


Die Pluralität der Weltbilder, die für die Frühe Neuzeit kennzeichnend war, wird mit dem Übergang zur Neuzeit durch einen einheitlichen Weltbegriff abgelöst. Welt ist hier (z.B. in der Metaphysik Spinozas und vor allem in deren Rezeption) als abgeschlossenes, sich selbst naturgesetzlich erhaltendes und reproduzierendes System konzipiert. Den Wissenschaften ist, grob gesprochen, die Aufgabe zugedacht, fachspezifisches Wissen über die Gesetzmäßigkeiten ihres jeweiligen Realitätssegments zu gewinnen, so daß sie in ihrer Summation schließlich das Ganze der Welt abbilden können. Die Einheit des Wissens ergibt sich aus der Einheit der Welt. Das Projekt soll die Auflösung dieses einheitlichen Weltbegriffs und die Konsequenzen dieses Umbruchs für die Gegenwart (etwa für die Diskussion über das Weltbild der Physik und dessen kulturellen Status) verfolgen.

Als Problemkreise zeichnen sich z.B. ab:

  • die Erfahrung des 19. Jahrhunderts, dass das Wissen der Spezialdisziplinen fragmentarisch und untereinander nicht mehr anschließbar ist
  • die Rolle der Technik für die Formulierung von Weltbegriffen (mit der vorläufigen Vermutung, dass der säkulare Erfolg des Herstellungswissens der Konservierung des einheitlichen Weltbegriffs zugearbeitet hat) 
  • Reaktionen auf die Krisenerfahrung in Gestalt: der empiristischen Problematisierung des Weltbegriffs als einer latenten Metaphysik (z.B. seit Mach), die die Fundierung der Wissenschaften ohne Bezug auf einen kohärenten Objektbereich Welt ermöglichen soll; der Subjektivierung des Weltbegriffs zur Weltanschauung; literarischer Verfahren, die gegenläufige holistische Konzepte plausibilisieren (etwa in der Rezeption des Monismus) 
  • die wissenssoziologische Frage nach der sozialen Funktion, die die Verteidigung oder Problematisierung des einheitlichen Weltbegriffs haben mag.
Projektleitung:
Horst Thomé, Institut für Literaturwissenschaft,Neuere Deutsche Literatur II
Christoph Hubig, Institut für Philosophie, Wissenschaftstheorie und Technikphilosophie 
Veranstaltungen:
Weltanschauung - Ideologie - Leitbild (5. - 6. November 1999, Universität Stuttgart) 
Weltanschauung (18. - 20. Juni 1998, Universität Stuttgart)
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Do, 22. November 2018 - Sa, 24. November 2018

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