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Orte der Kunst

Die Frage nach der Herkunft, auch und gerade nach der geo- bzw. topographischen Herkunft, gehört für jeden Erforscher der materiellen Kultur, sei er Ethnologe, Volkskundler, Archäologe oder Kunsthistoriker, zu den Grundfragen seiner wissenschaftlichen Arbeit. So banal es ist, dass buchstäblich jedes materielle Ding unserer äußeren Welt seinen Ort hat bzw. im Laufe seiner Existenz nur eine beschränkte - wenn auch vielleicht nie wirklich überschaubare und verifizierbare - Zahl von Orten einnehmen kann, so gewiss ist es, dass Ortswahl, Ortsbezogenheit und Ortskonstanz die Bestimmung und Bedeutung eines Dings maßgeblich beeinflussen und dieses Ding aus der Masse aller anderen Dinge herauszuheben vermögen. Genauso gilt aber auch, daß der Ort durch die Besetzung mit einem bestimmten Ding - einem Bauwerk, einem Bildwerk oder auch nur einem natürlichen Zeichen mit Bedeutung aufgeladen bzw. auf bestimmte Weise codiert wird. Genau diese, häufig nur en passant oder als Selbstverständlichkeit wahrgenommene wechselseitige Codierung von Ort und Ding ist es, die zu verschiedenen Zeiten graduell sehr unterschiedliche Verbindungen stiften kann: Zeiten, in denen der Konnex religiös, politisch oder ästhetisch streng reglementiert wird (siehe z.B. das decorum-Problem in der Frühen Neuzeit), Zeiten in denen site specifity nicht so sehr eine intrinsische Referenz von Ort und Kunstwerk beschreibt, sondern den ausgesprochenen Wunsch nach (Wieder-) Herstellung einer zweckmäßigen und harmonischen Verbindung von Zeit, Ort und Ding.

Nelson Goodman hat vorgeschlagen, die Frage, was Kunst sei, zu ersetzen durch die Frage, wann Kunst sei. Der Begriff der Kunst ist an historische Bedingungen gebunden. Man kann die Frage nach der Kunst anders stellen und fragen, wo sie sei. Es ist zunächst die gleiche Frage - Räume sind historische Gebilde - und sie scheint rasch beantwortbar zu sein, jedoch nur auf den ersten Blick. Kunst hat seit der Antike ihren Ort im öffentlichen Stadtraum, im Theater, im Buch, d.i. in Orten, die sich von denen des archaischen Raums grundsätzlich unterscheiden. In der Moderne kommen hinzu das Museum, die private Sammlung, die neuen Technologien der Repräsentation und Simulation. In den archaischen Kulturen haben Dinge und Menschen einen festen Ort, der sich als Schnittpunkt eines Kategoriensystems definiert. Der Begriff der Kunst entsteht mit der Aufsplitterung der archaischen Kulturen in eine Pluralität von Räumen und Zeiten. Er scheint maßgeblich verbunden mit dem Innewerden des Moments der Medialität und seiner Reflexion. Als Ausgangspunkt der Untersuchung der Orte der Kunst bietet sich die Frühe Neuzeit an, da hier in der Interferenz heterogener Vorstellungen des Raums sich ein sehr differenziertes Spektrum der Beziehungen von Ort und Kunstwerk herausbildet, in dem sich der moderne Begriff der Kunst definiert (siehe u.a. die Ablösung der Kunst vom Ort in der Form des Tafelbildes).

 

Vortrag: Kunst nach der Natur - Kunst im naturhistorischen Museum
(Gernot Böhme, Institut für Philosophie, TU Darmstadt; 16. Juli 1998) 

Vortrag: Ästhetische Zweckmäßigkeiten
(Ludger Gerdes, Künstler, Düsseldorf; 28. Oktober 1999) 

Kolloquium: Orte der Kunst
(24. - 25. November 2000, Stuttgart)
Neu

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