Frankreich-Schwerpunkt

Deutsch-französisches Graduierten-Colloquium 2013


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Deutsch-französisches Graduierten-Colloquium

Colloque de recherche franco-allemand

Stuttgart, 24.-26. Oktober 2013

Das Internationale Zentrum für Kultur- und Technikforschung (IZKT) lädt jährlich deutsche und französische Doktoranden zu einem interdisziplinären Forschungskolloquium nach Stuttgart. Die Teilnehmer bewerben sich mit ihrem Lebenslauf und einem Exposé ihres Beitrages, der in der Regel aus dem Dissertationsvorhaben erwächst. Moderatoren aus dem Mittelbau geben ihnen Hilfestellung und schlagen Brücken zwischen den Themen und Ansätzen. Die Reise- und Übernachtungskosten sowie die Verpflegung der Teilnehmer werden erstattet.

Der Mensch

Anthropologische Reflexionen an der Schwelle zum Transhumanismus

Theorien über das Wesen des Menschen gehören seit Aristoteles zum festen Bestandteil des europäischen Denkens. Mit Sprache und Vernunft begabt, von Natur aus auf ein Leben in Gemeinschaft angelegt, nach Glück und Wissen strebend – dieses Menschenbild diente als Grundlage für ethische Empfehlungen, politische Ordnungsvorstellungen und künstlerische Praxis. Nachdem Hobbes und Machiavelli im Kontrast hierzu den Menschen als nutzenmaximierenden Akteur beschrieben, blieb jede Wesenzuschreibung umstritten. Nicht zuletzt die Begegnung mit fremden Völkern schien Skeptikern wie Montaigne recht zu geben. Autoren des 20. Jahrhunderts haben schließlich die Unbestimmtheit des Menschen betont oder das Projekt einer Wesenszuschreibung gänzlich verabschiedet.

Zu einem Zeitpunkt an dem vor allem französische Forscher die kulturelle Formbarkeit des Menschen durch empirische Vergleiche erneut plausibel machen, eröffnet der technische Fortschritt die Perspektive einer größtmöglichen Gestaltbarkeit des Menschen. Aus Humanismus wird Transhumanismus: Pränatal selektiert, durch plastische Chirurgie geformt, pharmazeutisch optimiert und mit technischen Implantaten aufgerüstet scheint der Mensch der Gegenwart von einem natürlichen Wesen weit entfernt. Diese Entgrenzung erlöst von Übeln, hat aber auch Kosten und wirft normative Fragen auf. Die technisierte Lebenswelt entspricht den Veran-lagungen in vielen Fällen nicht. Die Frage nach den genuinen, ja womöglich natürlichen Bedürfnissen und moralischen Grenzen scheint daher ebenso gewagt wie notwendig.

Was hat die Anthropologie – verstanden sowohl im Sinne einer philosophischen Beschreibung des Menschen als auch im Sinne einer empirisch ausgerichteten Wissenschaft – hierzu beizutragen? Welche Autoren, Texte, Theorien und Selbstbilder waren und sind für die Selbstbeschreibung des Menschen bedeutsam? Deutsche und französische Perspektiven können in einen fruchtbaren Dialog gebracht werden.


Dr. Felix Heidenreich
Internationales Zentrum für
Kultur- und Technikforschung (IZKT)
Universität Stuttgart
Geschwister-Scholl-Straße 24
D - 70174 Stuttgart
felix.heidenreich@izkt.uni-stuttgart.de
Tel.: 0049-711-6858-4149
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