Das Projekt nimmt den Prozess der Moderne insbesondere seit dem Ende des 18. Jahrhunderts unter drei Aspekten in den Blick.
Erstens geht es um die Erforschung der kulturellen Auswirkungen und
Bedingungen der Transport- und Kommunikationsrevolution. Was Reisen
unter den Bedingungen radikalisierter Beschleunigung im räumlichen und
zeitlichen Sinne noch bedeuten kann, war Gegenstand des Kolloquiums
"Raum- und Zeitreisen in der Literatur und Kultur des 19. und 20.
Jahrhunderts" (24.-26. Januar 2002).
Zweitens soll die technisch und ökonomisch-politisch motivierte
Globalisierung und die damit verbundene kulturelle Herausforderung in
den Blick kommen. Auf diesem Aspekt liegt mittlerweile der Schwerpunkt
des Projekts (s. das Kolloquium "Postcolonial Representations of
Modernization, Technology and Cultural Conflict" im Juli 2003; die
Tagung "Postcolonial (Dis-)Affections" im Mai 2005). Dabei wird von der
These ausgegangen, dass insbesondere die anglophone postkoloniale
Literatur ein riesiges Reservoir einschlägiger Repräsentationen und
symbolischer Modellierungen bereithält, in denen die negative
(Penetration und Unterwerfung) und die positive (Brückenbau z.B.) Rolle
der Technik im dynamischen Prozess des Kulturkontaktes zur Anschauung
kommt. Die Perspektivierung der westlichen Leonardo-Welt aus der Sicht
der autochthonen Kultur, die Infragestellung westlicher
Moderne-Theorien ebenso wie die ‚Indianisierung’ (‚primitive’ Kultur
als Vorbild) westlicher Kunst und Kultur bilden typische Problemzonen
und Untersuchungsbereiche dieses Teilprojekts. Insofern Technik als
Medium zu verstehen ist, geht es bei der Erforschung der symbolischen
Deutungen dieser Technik und ihrer Auswirkungen in der postkolonialen
Literatur und Kunst auch um die Erkundung der Medialität der Medien.
Schließlich wird drittens in der Auseinandersetzung mit der Schule der
"literarischen Ökologie" (Kroeber, Zapf) das gründlich veränderte
Verhältnis von Natur, Kultur und Technik zu untersuchen sein.





