Seit 2004 besteht am IGMA (Institut Grundlagen Moderner Architektur und
Entwerfen) das Forschungsfeld "Baubotanik".
Der Begriff "Baubotanik"
ist am IGMA entwickelt worden und beschreibt die Idee, Tragstrukturen
aus lebenden Holzpflanzen zu bilden. Versucht wird, die natürliche
Gestaltentwicklung bei Pflanzen unter gezielter Ausnutzung ihrer
Wachstumsprinzipien mit den Vorgehensweisen ingenieurmäßigen
Konstruierens zu verbinden. So können die Selbstbildungs-,
Selbstreparatur- und Selbstoptimierungsprozesse lebender Systeme zur
Bildung optimierter, adaptiv wachsender Bauteile nutzbar gemacht
werden. Gleichzeitig fallen die Gestaltqualitäten lebender Bäume mit
den statischen Funktionen und baulichen Anforderungen einer
Tragstruktur in einem Bauteil zusammen. Erste Ergebnisse sind schon in
mehreren prototypischen Bauten verwirklicht.
Um das Forschungsvorhaben "Baubotanik" in seiner ganzen Vielfalt
erfassen und weiterentwickeln zu können, ist es in ein
interdisziplinäres Netzwerk eingebunden. Die vom IGMA und dem IZKT
gemeinsam durchgeführten Veranstaltungsreihe "Lebende Bauten -
Trainierbare Tragwerke" versucht, die Baubotanik aus
naturwissenschaftlicher, architektur- und kulturtheoretischer Sicht zu
beleuchten und weiter zu denken. Im Mittelpunkt des Interesses steht
dabei das völlig neuartige Natur-Artefakt-Verhältnis der Bauweise: In
Folge von Wachstumsprozessen und gezieltem Training durch Belastung
erhöht sich die Stabilität der Bauten und lebenden Tragstrukturen
reagieren adaptiv auf die jeweiligen Umwelt-bedingungen, statt dem
schleichenden Verfall und Verschleiß des Materials ausgesetzt zu sein.
Dies führt allerdings auch dazu, dass die zukünftige Gestalt der Bauten
zwar prognostiziert, aber nie mit Sicherheit exakt vorhergesagt werden
kann. Damit gibt der Architekt einen großen Teil seiner
Gestaltungshoheit an die Natur - den Baum - ab, der seinen eigenen
konstruktiven Gesetzen und physiologischen Zwängen gehorcht. Diese
Verschiebung von Kompetenzen im Verhältnis Natur - Artefakt bringt auch eine neue Verantwortung für den Architekten mit sich, der es gilt gerecht zu werden.
Im Rahmen des Projekts wurde eine Vortragsreihe angeboten, die wichtige Schwerpunkte behandelte. Unter dem Titel "Unnütze Natur" wurde die Bedeutung der Konstruktion, der Biologie und der Kulturtheorie für die Baubotanik erläutert. Eine Übersicht und zusätzlichen Informationen dazu finden Sie unter Links.





