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Do, 05. Dezember 2013 20:00

Christina von Braun (Berlin): Können Schulden von der Schuld erlösen? Kulturhistorische, theologische und psychologische Perspektiven auf die moderne Finanzwirtschaft

Stadtbibliothek Stuttgart, Mailänder Platz 1, 70173 Stuttgart

Es gibt unter Ökonomen einen breiten Konsens darüber, dass das Geld keiner Deckung bedarf. Christina von Braun vertritt die Gegenthese: Das moderne Geld, das keinen materiellen Gegenwert hat, wird durch den menschlichen Körper ‚gedeckt’. Das erklärt die extrem unterschiedlichen Entwicklungen der Einkommen im Finanzkapitalismus wie auch die Monetarisierung des menschlichen Körpers: im Söldnertum, der Prostitution, dem Organhandel, dem Sport, dem Versicherungswesen oder der Reproduktionsmedizin. Diese moderne Beglaubigung des Geldes ist schon im sakralen Ursprung des Geldes angelegt, das nach einem Opfer verlangt, um ‚fruchtbar‘ zu werden und sich vermehren zu können. Weil beides, sowohl die Opfer- als auch die Inkarnationslogik des Geldes, in den christlichen Heilslehren – mit Kreuzigung und ‚Fleischwerdung des Wortes’ – eine Entsprechung fand, wurden der christliche Kulturraum zum idealen kulturellen Nährboden für die Entwicklung der Geldwirtschaft und die Entstehung des Kapitalismus.

In ihrer Kulturgeschichte des Geldes, die anthropologische, historische, schrifttheoretische und religionswissenschaftliche Forschungsergebnisse einbezieht, verbindet Christina von Braun die Entstehungs- und Entwicklungsgeschichte des Geldes mit aktuellen finanz-, wirtschafts- und sozialpolitischen Phänomenen. Viele gegenwärtige Entwicklungen lassen sich unter der Perspektive der langen Geschichte des Geldes neu lesen. Denn im Geld ist ein kulturelles Gedächtnis von ‚longue durée‘ verankert.

Christina von Braun ist Professorin für Kulturtheorie mit dem Schwerpunkt Geschlecht und Geschichte an der Humboldt-Universität zu Berlin.

Eine Veranstaltung des Internationalen Zentrums für Kultur- und Technikforschung (IZKT) der Universität Stuttgart in Zusammenarbeit mit der Breuninger Stiftung und der Stadtbibliothek Stuttgart. 

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